Damit wird das Auto für Tibber nicht nur zum Verbraucher, der günstige Ladezeiten nutzt. Viele angeschlossene Fahrzeuge bilden gemeinsam einen steuerbaren Pool, dessen Flexibilität das Unternehmen am Intraday-Strommarkt vermarktet.
Ladevorgänge können kurzfristig starten oder pausieren
Beim bisherigen Smart Charging wird der Ladevorgang vor allem in günstige Zeitfenster gelegt. Grid Rewards geht einen Schritt weiter. Gibt es kurzfristig viel Strom im System, kann Tibber das Laden vorziehen oder zusätzlich starten. Bei Engpässen kann der Vorgang gedrosselt oder zeitweise pausiert werden. Die dabei erzielten Erlöse aus der Vermarktung der Flexibilität werden als Grid Rewards gutgeschrieben.
Das ist nicht dasselbe wie bidirektionales Laden. In der aktuellen Grid-Rewards-Umsetzung steuert Tibber, wann das Fahrzeug Strom aufnimmt. Eine Rückspeisung aus dem Fahrzeugakku ins Netz ist dafür nicht nötig. Ein Beispiel für echtes Vehicle-to-Grid ist die jüngst angekündigte V2G-Lösung von Audi und Octopus Energy.
Voraussetzung ist Tibbers dynamischer Tarif Smart Dynamic mit Smart Meter. Je nach Fahrzeug erfolgt die Einbindung über eine unterstützte Wallbox oder direkt über das Auto. Die eingestellte Abfahrtszeit und der gewünschte Ladestand bleiben nach Angaben des Anbieters maßgeblich. Tibber nennt für eine typische Ladesitzung null bis fünf Unterbrechungen, die im Durchschnitt jeweils etwa fünf Minuten dauern.
Bis zu 150 Euro Grid Rewards sind ein Richtwert
Für Grid Rewards wirbt Tibber mit bis zu 150 Euro zusätzlicher Ersparnis pro Jahr. Dieser Wert ist keine Garantie. Er basiert nach Angaben des Unternehmens auf den besten zehn Prozent der teilnehmenden Tibber-Haushalte in den Niederlanden zwischen März und Dezember 2025. Wie hoch die tatsächliche Gutschrift ausfällt, hängt unter anderem vom Ladeverhalten, den Marktpreisen und davon ab, wie oft die Flexibilität des Autos gebraucht wird.
Zusammen mit den von Tibber kalkulierten Einsparungen durch normales Smart Charging nennt der Anbieter bis zu 440 Euro pro Jahr. Wer zusätzlich die pauschale Netzentgeltreduzierung nach Paragraf 14a EnWG nutzen kann, kommt in Tibbers Beispielrechnung auf bis zu 630 Euro. Die Beträge stammen damit aus unterschiedlichen Komponenten und sind nicht als feste jährliche Auszahlung zu verstehen.
Grid Rewards war bereits 2024 angekündigt worden. Damals verwies Tibber darauf, dass für den vollen Marktzugang in Deutschland zunächst mehr Smart Meter nötig seien. Mit der aktuellen Einführung vermarktet das Unternehmen die Flexibilität deutscher E-Autos nun am Intraday-Markt. Über Deutschland, Norwegen, Schweden und die Niederlande hinweg beziffert Tibber die Kapazität seines virtuellen Kraftwerks inzwischen auf mehr als zwei Gigawatt.
Für Leasingkunden ändert das nichts am Fahrzeugvertrag. Relevant ist das Angebot vor allem für Fahrer, die regelmäßig zu Hause laden und ein kompatibles Fahrzeug oder eine unterstützte Wallbox besitzen. Der mögliche Vorteil liegt bei den laufenden Stromkosten, nicht bei der Leasingrate.