Bestehende Wallboxen sollen weiterlaufen
Elli-Chef Giovanni Palazzo hat den Kurswechsel am 3. November in einem Gespräch mit dem Fachmedium electrive bestätigt. Eigene AC-Wallboxen sollen nur noch aus vorhandenen Beständen verkauft werden. Anschließend sind keine weiteren Bestellungen geplant. Auch das eigene Geschäft mit batteriegepufferten Schnellladestationen fährt die Volkswagen-Tochter zurück.
Für bereits verkaufte Geräte kündigt Palazzo unveränderten Kundenservice und Wartung an. Eine Abschaltung vorhandener Wallboxen ist nicht angekündigt. Für Unternehmen, die neue Ladepunkte im Rahmen einer Fuhrparkerweiterung planen, verändert sich dagegen der Beschaffungsweg: Elli will Planung, Errichtung und technische Betreuung stärker spezialisierten Partnern überlassen.
Was aus laufenden Infrastrukturprojekten konkret wird, ist noch nicht endgültig entschieden. Der Übergang soll schrittweise bis Ende 2027 erfolgen. Fuhrparkverantwortliche müssen deshalb zwischen bestehenden Wartungsverträgen und der künftigen Vergabe neuer Ladeanlagen unterscheiden. Konkrete neue Servicepreise oder geänderte Vertragsbedingungen hat Elli dazu nicht veröffentlicht.
Flottenabrechnung wird zum Kerngeschäft
Statt eigener Hardware stehen Ladekarten, Roaming, Energieversorgung und digitale Abrechnung im Zentrum. Mit der Einbindung von LogPay will Elli auch gemischte Firmenflotten aus Verbrennern und Elektroautos betreuen. Die Zusammenarbeit mit Volkswagen Leasing beim Vertrieb von Flottendiensten besteht bereits seit der früheren Geschäftsausrichtung. Künftig soll das digitale Angebot weitere Kunden und Automarken erreichen.
Für das Elektroauto-Leasing ist der Unterschied praktisch: Ladeinfrastruktur und Fahrzeugvertrag bleiben zwei getrennte Entscheidungen. Aus dem Rückzug von der eigenen Hardwareproduktion folgt weder eine Änderung der vereinbarten Leasingrate noch das Ende bestehender Ladedienste. Elli hat im Zusammenhang mit der Neuausrichtung keine neuen allgemeinen Ladetarife genannt.
Parallel bereitet Elli für November ein Angebot zum bidirektionalen Laden vor. Die dafür vorgesehene DC-Wallbox soll von einem externen Partner kommen, während Elli Stromtarif und energiewirtschaftliche Steuerung übernimmt. Ein beworbener möglicher Bonus hängt von Teilnahmebedingungen ab und ist keine feste Ersparnis für jedes Fahrzeug. Auch die Regeln zum bidirektionalen Laden spielen dabei eine Rolle. Gespräche mit potenziellen Investoren laufen nach Angaben des Unternehmenschefs, eine verbindliche Vereinbarung ist noch nicht geschlossen.