Dieser Artikel zeigt die richtige Messtechnik, was die Markierungen auf dem Peilstab bedeuten, wie Sie in kleinen Schritten nachfüllen, ohne zu überfüllen, und woran Sie eine harmlose Routinekontrolle von einem ernsten Warnzeichen unterscheiden.

Ölstand richtig messen

Zwei Bedingungen entscheiden darüber, ob die Messung überhaupt aussagekräftig ist. Erstens muss das Fahrzeug auf einer ebenen Fläche stehen — schon eine leichte Neigung lässt den Ölstand auf dem Peilstab höher oder niedriger erscheinen, als er tatsächlich ist. Zweitens spielt der Motorzustand eine Rolle: Am zuverlässigsten messen Sie, wenn der Motor eine Weile steht und abgekühlt ist, denn das Öl aus dem oberen Triebwerk muss erst wieder in die Ölwanne zurücklaufen. Manche Hersteller machen dazu abweichende Angaben — verlassen Sie sich im Zweifel auf die Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs statt auf eine Faustregel.

  1. Peilstab herausziehen. Motorhaube öffnen und den Ölpeilstab — meist an einem gelben oder orangefarbenen Griff erkennbar — vollständig herausziehen.
  2. Abwischen. Den Peilstab mit einem sauberen, fusselfreien Lappen abwischen, sodass kein Altölfilm die nächste Messung verfälscht.
  3. Vollständig wieder einführen. Den gereinigten Peilstab bis zum Anschlag zurückschieben. Bei vielen Fahrzeugen ist ein spürbares Einrasten das Zeichen, dass er richtig sitzt.
  4. Erneut herausziehen und ablesen. Erst dieser zweite Zug zeigt den tatsächlichen Ölstand. Der erste diente nur der Reinigung — wer schon dabei abliest, sieht einen zu hohen Wert.

Viele neuere Fahrzeuge haben gar keinen klassischen Peilstab mehr, sondern eine elektronische Ölstandsanzeige, die den Wert im Bordcomputer oder Kombiinstrument ausgibt. Wie diese Messung genau ausgelöst wird — etwa bei laufendem oder bei ausgeschaltetem Motor — unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller und steht in der Betriebsanleitung. Sind Sie unsicher, welches Verfahren Ihr Fahrzeug vorsieht, ist ein Blick dorthin schneller als jede Faustregel.

Was die Markierungen auf dem Peilstab bedeuten

Auf dem Peilstab finden Sie zwei Markierungen: die untere für den minimalen, die obere für den maximalen zulässigen Ölstand. Der Ölfilm auf dem Stab sollte zwischen beiden liegen — idealerweise näher an der oberen als an der unteren Markierung. Wie groß der Abstand zwischen Minimum und Maximum ausfällt, unterscheidet sich von Fahrzeug zu Fahrzeug; eine pauschale Literangabe dazu gibt es nicht, und Sie sollten sich auch nicht auf eine solche Faustregel verlassen.

Liegt der Ölstand unterhalb der Minimum-Markierung, sollten Sie zeitnah nachfüllen — dazu im nächsten Abschnitt mehr. Liegt er oberhalb des Maximums, ist zu viel Öl im Motor, und Sie sollten überschüssiges Öl fachgerecht abzapfen lassen, statt einfach weiterzufahren.

Öl richtig nachfüllen

Bevor Sie überhaupt Öl kaufen, klären Sie, welches Öl Ihr Motor verlangt — maßgeblich ist ausschließlich die Angabe in der Betriebsanleitung, bei vielen Fahrzeugen ergänzt um einen Aufkleber im Motorraum. Dort stehen die geforderte Viskositätsklasse und die Herstellerfreigabe. Ein Öl ohne diese Freigabe ist unabhängig vom Preis das falsche Öl für Ihren Motor.

Füllen Sie dann in kleinen Schritten nach, am besten mit einem Trichter, damit kein Öl auf heiße Motorteile tropft. Nach jeder kleinen Menge einige Minuten warten, bis das Öl in der Ölwanne ankommt, dann erneut mit dem Peilstab bzw. der elektronischen Anzeige kontrollieren. Diese kleinschrittige Vorgehensweise ist langsamer als auf einmal aufzufüllen, verhindert aber zuverlässig ein Überfüllen.

Zu viel Öl ist kein Sicherheitspolster, sondern ein eigenes Risiko: Die Kurbelwelle taucht dann tiefer ins Öl ein, schlägt Luft hinein, und im ungünstigsten Fall gelangt Öl über die Kurbelgehäuseentlüftung in den Ansaugtrakt. Bleiben Sie deshalb unterhalb der Maximum-Markierung, auch wenn dafür eine letzte, kleine Menge nachträglich noch fehlt.

Warnzeichen: Wenn eine Öl-Kontrollleuchte aufleuchtet

Moderne Fahrzeuge unterscheiden in der Regel zwei unterschiedliche Warnungen, die im Kombiinstrument oft ähnlich aussehen — beide zeigen ein Ölkännchen-Symbol —, aber sehr unterschiedlich dringend sind. Im Zweifel gibt die Betriebsanleitung Auskunft, welche Farbe und welches Symbol bei Ihrem Fahrzeug welche Bedeutung hat.

Grobe Einordnung der beiden Warnungen — die genaue Symbolik variiert je nach Hersteller.
WarnungBedeutet üblicherweiseWas Sie tun sollten
Ölstand-Warnleuchte (häufig gelb)Der Ölstand ist zu niedrig, der Öldruck selbst aber noch in Ordnung.Ölstand bei nächster Gelegenheit prüfen und nachfüllen — Weiterfahren ist meist möglich.
Öldruck-Warnleuchte (häufig rot)Der Öldruck ist kritisch, die Schmierung des Motors ist akut gefährdet.Motor zeitnah und sicher abstellen, nicht weiterfahren — sonst droht ein Motorschaden.

Der wichtigste Unterschied ist also nicht die Farbe, sondern die Dringlichkeit: Eine reine Ölstandswarnung erlaubt es meist, die nächste Tankstelle oder Werkstatt anzusteuern. Eine Öldruckwarnung nicht — hier zählt jede weitergefahrene Minute gegen den Motor.

Nachfüllen und Ölwechsel beim Leasingfahrzeug

Beim Leasingfahrzeug lohnt sich, zwei Dinge auseinanderzuhalten. Das Nachfüllen zwischen zwei Inspektionen — genau das, was in diesem Artikel beschrieben ist — gilt in aller Regel als Betriebsstoff und damit als Ihre eigene Aufgabe, unabhängig davon, ob ein Wartungspaket im Vertrag enthalten ist. Verwenden Sie dafür ausschließlich ein Öl mit der in der Betriebsanleitung geforderten Freigabe.

Der turnusmäßige Ölwechsel dagegen ist Teil der Wartung, zu der Sie der Leasingvertrag üblicherweise verpflichtet: nach Herstellervorgabe beziehungsweise nach dem im Serviceplan des Fahrzeugs hinterlegten Intervall, meist in einer vorgegebenen Fachwerkstatt. Lassen Sie sich jeden Ölwechsel im Serviceheft dokumentieren und heben Sie die Werkstattrechnung auf — das erspart bei der Rückgabe Diskussionen über den Wartungszustand des Fahrzeugs.

Häufige Fragen zu Ölstand und Nachfüllen

Wie oft sollte ich den Ölstand kontrollieren?

Eine feste Regel gibt es nicht, aber eine regelmäßige Kontrolle — etwa alle paar Wochen oder vor längeren Fahrten — fällt kaum ins Gewicht und deckt einen sinkenden Ölstand rechtzeitig auf, bevor eine Warnleuchte anspringt. Verbraucht Ihr Fahrzeug spürbar Öl zwischen den Inspektionen, kontrollieren Sie entsprechend häufiger.

Kann ich Öl bei heißem Motor nachfüllen?

Für den Motor ist das in der Regel unproblematisch, beim Öffnen und Schließen des Öldeckels besteht aber Verbrennungsgefahr an heißen Motorteilen. Schwieriger ist bei heißem, gerade erst abgestelltem Motor vor allem die Messung selbst: Das Öl ist noch nicht vollständig in die Ölwanne zurückgelaufen, der abgelesene Stand ist also unzuverlässig. Lassen Sie den Motor deshalb erst etwas abkühlen, bevor Sie messen und nachfüllen.

Was passiert, wenn ich mit zu wenig Öl fahre?

Sinkt der Ölstand deutlich unter das Minimum, kann die Schmierung an einzelnen Stellen des Motors abreißen. Die Folgen reichen von erhöhtem Verschleiß bis zum Motorschaden, wenn Sie trotz aufleuchtender Öldruckwarnung weiterfahren. Kontrollieren und füllen Sie deshalb nach, sobald die Ölstandswarnung erscheint, statt es aufzuschieben.

Welches Öl darf ich nachfüllen?

Ausschließlich ein Öl mit der Viskositätsklasse und Herstellerfreigabe, die in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs stehen. Öle mit derselben Spezifikation lassen sich in der Praxis auch über Marken hinweg mischen; unterschiedliche Spezifikationen sollten Sie dagegen nicht mischen, weil die Additivpakete dann nicht mehr zusammenpassen.

Muss ich beim Leasingfahrzeug selbst nachfüllen, oder macht das die Werkstatt?

Nachfüllen zwischen den Inspektionen ist in aller Regel Ihre eigene Aufgabe, unabhängig von einem eventuell gebuchten Wartungspaket — es zählt als Betriebsstoff, nicht als Wartungseingriff. Der planmäßige Ölwechsel selbst gehört dagegen zur Inspektion nach Herstellervorgabe, zu der Sie der Leasingvertrag üblicherweise verpflichtet.

Wartung, die im Vertrag schon geregelt ist

Viele Leasingangebote lassen sich mit einem Wartungs- und Verschleißpaket kombinieren — dann ist der turnusmäßige Ölwechsel nach Herstellervorgabe bereits abgedeckt, und nur das gelegentliche Nachfüllen bleibt Ihre Sache.

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