Skip to main content

Was genau bedeutet CarSharing?

CarSharing ist das Teilen von Autos. Mehrere Fahrer nutzen einen bzw. mehrere Wagen gemeinschaftlich, wofür es eine Rahmenvereinbarung gibt. Es gibt dabei Vor- und Nachteile zu beachten. Carsharing kann vergleichsweise teuer sein, auch deutlich teurer als Leasing, erlaubt aber bei einigen Anbieter auch ein sehr kurzfristiges Anmieten bis in den Minutenbereich. Gegenüber der klassischen Autovermietung ist es meistens etwas kostengünstiger.

CarSharing

CarSharing

Abrechnung von CarSharing

Die Nutzung der Autos wird über Zeit- und/oder Kilometertarife abgerechnet. Es sind die Versicherung und möglicherweise auch der Kraftstoff enthalten. Anbieterabhängig gibt es verschiedene Abrechnungs- und Abomodelle, hinzu kommen Varianten des privaten CarSharings, bei dem sich Nachbarn, Kollegen, Familienmitglieder und Mitglieder einer privaten Community die Autos teilen. Ob sich CarSharing besser als ein Kauf, das Mieten oder das Leasing eignen, hängt sehr stark von der Nutzung des Kraftfahrzeugs und auch von bestimmten Präferenzen hinsichtlich der Modellwahl ab.

Autonutzung: Wann lohnt sich welches Modell?

  • Kauf: Der Fahrer möchte ohne weitere Sorgen um kleine Schrammen oder die Ordnung im Innenraum das Fahrzeug besitzen. Wie lange er es fährt, weiß er zum Zeitpunkt der Anschaffung meistens nicht. Aus diesem Grund verdrängen Käufer in der Regel auch die Kosten, die einfach durch die Laufleistung und das zunehmende Alter des Fahrzeugs entstehen. Sie müssten nämlich Monat für Monat das Geld für die nächste Anschaffung ansparen. Wie viel das ist, hängt vom nächsten Modell und vom Zeitpunkt der nächsten Anschaffung sowie von der Laufleistung des gegenwärtigen Wagens bis zu diesem Zeitpunkt ab. Das macht die Rechnung sehr kompliziert, deshalb macht sie niemand überhaupt erst auf. Es entsteht der gefährliche Denkfehler, der Kauf wäre die kostengünstigste Option der Fahrzeugnutzung.
  • Leasing: Beim Leasing liegen die Kosten offen, sie werden unmittelbar bezahlt. Freilich verdienen die Leasingbank und der Autohändler als ihr Partner ein wenig mit, weshalb vielen Fahrern das Leasing teuer erscheint. Hinzu kommt die Werkstattbindung im Leasingvertrag, die auch die Kosten für die Inspektionen und sonstige Reparaturen leicht erhöht. Dennoch kann Leasing bei einer angemessenen Nutzungsart sehr preiswert sein. Unternehmer profitieren zusätzlich vom steuerlichen Vorteil der unmittelbaren Abschreibung ihrer Leasingrate.
  • Automiete: Dieses Modell lohnt sich wirklich nur für einmalige Fahrten von Geschäftsleuten oder beispielsweise im Urlaub, in den ohne eigenes Auto gereist wird. Es ist per se die teuerste Variante der Autonutzung.
  • CarSharing: Dieses Modell ist wegen seiner Flexibilität durchaus interessant, hat aber gegenüber dem Leasing drei Nachteile. Erstens ist es meistens ein wenig teurer, wenn die tatsächliche Nutzung gegen den Preis gerechnet wird. Es ist in der Regel eine monatliche Grundgebühr zu entrichten, die Nutzungsgebühr kommt fallweise hinzu (siehe weiter unten). Zweitens ist es unbequemer, weil das Auto irgendwo abgeholt und dort auch wieder abgestellt werden muss. Drittens kann sich der Fahrer das Fahrzeug nur sehr begrenzt aussuchen, während er beim Leasing hierfür grenzenlose Möglichkeiten hat. CarSharing lohnt sich für eine kurz- bis mittelfristige Nutzung von Menschen, die ein Leasingfahrzeug nicht richtig auslasten würden. Wer oft (dienstlich) unterwegs ist, fährt mit dem Leasing besser.
  • Auto-Abo: Das Auto-Abo ist eine Symbiose aus dem klassischen Leasing, dem bekannten Carsharing und der Automiete. Anders als beim „normalen“ leasen, sind hier allerdings die Kosten für Versicherung, KFZ-Steuern und viele anderen Dingen bereits fest in der monatlichen Rate enthalten.
Werbung

Seit wann gibt es CarSharing?

Privat teilen sich Menschen schon sehr lange ihre Autos. Es gab auch schon 1948 in Zürich eine Schweizer Selbstfahrergenossenschaft, die SEFAGE. Konzepte für gezielte CarSharing-Angebote gibt es seit den 1960er Jahren, nicht erfolgreiche Versuche seit den 1970er Jahren. Ein französisches Projekt (ProcoTip) hielt zwei Jahre durch, ein holländisches (Witkar) fünf Jahre. Der Begriff „CarSharing“ wurde erstmals 1975 in der Londoner Times erwähnt. Es handelte sich allerdings immer noch eher um eine Idee für private Autonutzer. Der Hintergrund war der damalige Verkehrskollaps in der Londoner Innenstadt, der sich heute (2020) durch eine Innenstadtmaut etwas entspannt hat, aber immer noch eine reine Katastrophe ist.

Mitte der 1970er Jahre waren diese Verhältnisse so prekär, dass der britische Automobilclub RAC mehr und deutliche breitere Straßen von der Politik forderte. Die Londoner Stadtverwaltung konterte mit der Idee des Teilens von Autos, damit sich auch Fahrgemeinschaften bilden und in der Innenstadt wenigstens die Parkplatzsituation etwas entlastet würde. Ab 1977 wurde in Ipswich eine experimentelle Mitfahrzentrale betrieben, die schon die gemeinsame Nutzung von Autos durch mehrere Fahrer organisierte. Seither wurde das CarSharing zunächst im angloamerikanischen Raum und schließlich weltweit immer weiter fortentwickelt. Auch heute ist diese Entwicklung nicht vorbei, denn es gibt immer raffiniertere CarSharing-Modelle.

Schon in den 1980er Jahren verwiesen auch Klimaaktivisten auf die schonendere Nutzung von Ressourcen durch CarSharing, dieser Gedanke hat sich noch verstärkt. Allerdings ist zu beachten, dass CarSharing nicht die Emission von Abgasen verringert (außer, es kommen Elektrofahrzeuge zum Einsatz): Die Autos werden ja nicht weniger gefahren. Nur die Herstellung und das Recycling müssen nicht mehr so intensiv betrieben werden, weil die Wagen nicht stunden-, tage- und wochenlang herumstehen und sich dabei abnutzen. Hinzu kommt als gefühlter Vorteil des CarSharings seit den 2000er Jahren die Intention vor allem jüngerer Fahrer, nicht mehr ein Auto besitzen zu wollen. Sie entscheiden sich flexibel zwischen öffentlichem Nahverkehr, Fernverkehr mit der Bahn oder CarSharing. Dafür nehmen sie einige Nachteile des CarSharings in Kauf, die sich aus dessen Organisation ergeben.

Organisation von CarSharing

Der von komfortverwöhnten Autofahrern als am gravierendsten empfundene Nachteil ist die Tatsache, dass das Auto beim CarSharing eben nicht vor der Haustür steht, dass man dort auch keine Sachen ablegen kann und dass man es holen und bringen muss. Für viele Menschen im Stress funktioniert das gar nicht. Sie können nicht mit dem Rad oder der U-Bahn zum CarSharing-Parkplatz fahren. Sie haben Einkäufe, Kinder oder sonstiges Sack und Pack dabei. Doch anders kann das Teilen von Autos nicht funktionieren. Sie stehen über die Stadt verteilt auf Parkplätzen der CarSharing-Gesellschaft oder sogar auf öffentlichen Straßen.

Natürlich wählen die Anbieter als feste Mietstation gern Verkehrsknotenpunkte wie den Bahnhof oder Busbahnhof, einen Tramknoten oder ein Parkhaus in der Innenstadt. Doch wer den Wagen leihen will, muss dann erst einmal zum Bahnhof. Wenn Sie sich für CarSharing in Ihrer Stadt interessieren, sollten Sie zunächst diese Parkplätze der Anbieter ausfindig machen. Das ist der erste Schritt, bevor Sie sich überhaupt für Kosten interessieren und eine komplizierte Rechnung aufmachen. Schauen Sie, wo das Fahrzeug stehen würde: Dann überlegen Sie, ob die Fahrt mit der Straßenbahn zu diesem Punkt zu Ihrer Lebensgestaltung passt.

Bei aller Euphorie über das Modell winken bereits an dieser Stelle viele Interessenten ab. Interessant ist das CarSharing vielleicht für jemanden, der zweimal wöchentlich (nur ein fiktives Beispiel) in eine andere Stadt 100 km weit fahren muss und sonst eigentlich kein Auto benötigt. Ein Autokauf wäre unsinnig, ein Leasing würde sich eher wenig lohnen, eine Automiete wäre teurer als das CarSharing und mit den gleichen Umständen verbunden. Bei der CarSharing-Organisation gibt es beispielsweise folgende Modelle:

  • Sie holen das Fahrzeug an einem bestimmten Standort ab und müssen es zwingend auch dort wieder abgeben.
  • Der Anbieter hat verschiedene Standorte. Sie können sich vor der Nutzung entscheiden, wo Sie es wieder abgeben.
  • Sie können das Fahrzeug auf einem beliebigen Parkplatz im Nutzungsgebiet abstellen (sogenanntes Free Floating). Wenn zum Nutzungsgebiet Ihr Wohnviertel gehört und es dort meistens freie Parkplätze gibt, hätten Sie nur noch den Weg zur Abholung.
Werbung

Welchen Sinn hat das CarSharing?

Grundsätzlich unterstützt es die „kombinierte Mobilität“. Wenn Sie CarSharing nutzen, fahren Sie auch oft mit dem öffentlichen Nahverkehr oder mit der Bahn in eine andere Stadt. Sie entscheiden von Fall zu Fall, welches Transportmittel für Sie momentan ideal geeignet ist. Das fördert wiederum die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs und der Bahn, was als umwelt- und verkehrstechnisch vorteilhaft gilt. CarSharing ist aber kein Ersatz für Busse und Bahnen. Es ist auch nicht die kostengünstigste Lösung, um ein Auto zu nutzen. Nur wer eher selten, sporadisch, unregelmäßig, doch häufiger als die Nutzer von Mietwagen mit dem Auto unterwegs ist und dabei relativ viel Zeit und wenig Gepäck mitbringt, profitiert wirklich vom CarSharing.

Als Pendler sind Sie mit dem Leasingfahrzeug besser bedient, vor allem dann, wenn Sie noch Kollegen mitnehmen, die sich an den Kosten beteiligen. CarSharing mit etwas größeren Fahrzeugen kann für seltene Transporte eine gute Lösung sein. Auch die Übernahme des Fahrzeugs am Flughafen ist eine sehr gute Alternative zur Automiete und erst recht zum Taxi. Einige Anbieter von Free Floating, darunter car2go und DriveNow, haben diesen Markt erkannt, stellen ihre Autos am Flughafen ab, weisen die Parkplätze deutlich sichtbar aus, werben auf dem Flughafen dafür, nehmen aber auch gesonderte Flughafengebühren für diesen Service.

Kostenbetrachtung CarSharing

Wie schon oben erwähnt entsteht beim CarSharing für die Nutzer oft (aber nicht immer) eine monatliche Grundgebühr. Hinzu kommen dann Gebühren für die Nutzung, und zwar pro Kilometer und/oder pro Zeiteinheit. Die Kostenmodelle einzelner Anbieter unterscheiden sich gravierend, der Markt ist höchst unübersichtlich. Das bedeutet auch, dass sich die meisten Interessenten notgedrungen für einen einzigen Anbieter entscheiden (müssen), dessen Kostenmodell am Ende nicht unbedingt am besten zu ihrer Nutzung passen muss. Es gibt auch (wenige) Anbieter ohne Grundgebühr, doch dann sind naturgemäß die Nutzungsgebühren höher. Manche Grundgebühren belaufen sich auf neun Euro monatlich, was als vertretbar gilt, doch es gibt auch teurere Modelle. Manche Stundensätze betragen drei Euro, hinzu kann Kilometergeld kosten.

Ein Tag kann beispielsweise 30 Euro kosten, in denen 30 Kilometer inklusive sind, während jeder weitere Kilometer 20 Cent kostet. Die 20 Cent und selbst neun Euro Nutzungsgebühr pro Monat sind natürlich ein fairer Preis, denn der Anbieter versichert und wartet das Auto, er bezahlt auch die Verschleißreparaturen und muss es zwangsläufig sukzessive abschreiben. Doch wer nun richtig rechnet, dürfte als Vielfahrer mit einem Leasingfahrzeug eindeutig kostengünstiger unterwegs sein. Pauschal lässt sich konstatieren, dass für einen Nutzer das CarSharing kostengünstiger als die Nutzung eines gekauften (gleichartigen) Autos sein kann, wenn die Nutzungszeiten und die gefahrenen Kilometer die sogenannte Rentabilitätsschwelle nicht überschreiten.

Diese liegt je nach Fahrzeug und Anbieter zwischen 11.000 und 21.000 Kilometern pro Jahr. Eine dementsprechende Modellrechnung führte die Stiftung Warentest durch. Sie kam auf Durchschnittskosten beim CarSharing für 5.000 Kilometer jährlich (Kleinwagenbereich) von 138 Euro monatlich. Die Anschaffung dieses Autos hätte bei der gleichen Fahrleistung inklusive Abschreibung, Versicherung, Inspektionen, TÜV, Räderwechsel, Wartung etc. 206 Euro gekostet.

Ablauf einer Autobenutzung beim CarSharing

Wiederum gibt es sehr viele Modelle, wie der Fahrer zu seinem Auto kommt und wie er es wieder abgibt. Diese Modelle hängen stark von Größe einer Carsharing-Organisation ab. Große Unternehmen haben mehr Ressourcen und können Kosten auf mehr Fahrzeuge umlegen. Dadurch bieten sie oft eine dichtere Struktur bei vergleichsweise günstigen finanziellen Konditionen. Die verschiedenen Systeme der Fahrzeugreservierung reichen vom Schlüsselkasten bei manueller Buchung über die App mit bloßem Zugriff auf die Webseite des Anbieters bis zum ausgefeilten GPS-gestützten Finden eines freien Fahrzeugs. Letzteres kann in Kombination mit einer App dem CarSharing deutliche Vorteile verschaffen, erfordert aber Investitionen in die Technik.

Die betreffenden Fahrzeuge sind dann per GPS auch im Stand bei ausgeschaltetem Motor zu orten. Dadurch müssen sie nicht mehr zu einem zentralen Parkplatz gebracht werden. Der Nutzer ruft über seine App die Standorte auf, bewegt sich bis zum nächsten Fahrzeug, öffnet es per App (diese Technik gibt es schon) und startet es auch mit ihr. Das ist nur bei entsprechender technischer Aufrüstung der Autos möglich, könnte aber einen Trend darstellen. Das gewählte Fahrzeug wird nach der Buchung und Bezahlung per App durch die CarSharing-Zentrale für diesen speziellen Nutzer freigegeben. Solche Systeme sind nicht nur komfortabel, sie verhindern auch den Missbrauch (zum Beispiel Zeitüberziehung ohne Bezahlung).

Die Reservierungszeit für ein bestimmtes Fahrzeug liegt zwischen rund 15 und 30 Minuten. Wenn Sie also feststellen, dass sich in Ihrer Nähe ein Fahrzeug des Anbieters befindet, müssen Sie kalkulieren, ob Sie den Weg bis dorthin in 15 Minuten schaffen: Dann reservieren Sie das Fahrzeug. Sie bezahlen es erst, wenn Sie angekommen sind. Das wirkt natürlich modern, doch es ist mit der Unsicherheit verbunden, ob Sie den Weg wirklich in den nächsten 15 Minuten schaffen.

Nachteil von stationsbasierten Systemen

Bei diesem System – Sie holen das Fahrzeug an einem bestimmten Standort und bringen es dorthin wieder zurück – müssen Sie bei der Rückgabe pünktlich sein. Das Auto muss außerdem sauber und möglicherweise (anbieterabhängig) vollgetankt sein. Ansonsten könnte ein relativ hohes Bußgeld fällig werden: Schließlich hat vielleicht schon ein anderer Kunde diesen Wagen gebucht und verlässt sich darauf, dass er pünktlich, vollgetankt und sauber am Platz steht. Viele CarSharing-Organisationen betreiben deshalb Callcenter.

Wenn Sie die Rückgabe nicht rechtzeitig schaffen, vielleicht auch wegen einer Panne oder eines Notfalls, müssen Sie das umgehend melden. Eine Strafgebühr zahlen Sie unter Umständen trotzdem. Das hängt davon ab, ob die Panne durch ein technisches Problem des Autos verursacht wurde, für das Sie nichts können, oder Sie selbst eine Art von Notfall ausgelöst haben. Der Fall kann unter Umständen durchaus strittig sein.

CarSharingauto nach der Nutzung volltanken oder nicht?

Das unterscheidet sich zwischen den Anbietern. Es gibt Anbieter, die den Sprit in die Minuten- und Kilometerpreise inkludieren. Es wird ausdrücklich kein nachträgliches Volltanken verlangt, das übernimmt ein Mitarbeiter des Unternehmens. Weil diese Firmen auch sehr kurzzeitige Nutzungen im Stunden- und gar Minutenbereich anbieten, haben Sie die Tankfüllung wahrscheinlich auch nicht verbraucht. Der nächste Nutzer kann sich dann per App vor seiner Buchung über den Tankstand des Autos informieren. Einige Anbieter verlangen das Tanken, andere motivieren Sie dazu und übergeben Ihnen eine Tankkarte. Für die Zeit an der Tankstelle erhalten Sie Freiminuten.

Fehlende Individualisierung beim CarSharing

Ein wesentlicher Aspekt des CarSharings, der in genau der gleichen Weise auf die Automiete zutrifft, ist die fehlende Individualisierung. In einem gekauften Auto und auch im Leasingfahrzeug haben wir unsere CDs, einige Sachen, die wir immer brauchen (Regenschirm, Decke, Kindersitz etc.) und außerdem im Radio eingespeicherte Sender sowie im Navi eingespeicherte Ziele, die wir ständig anfahren. Das alles ist beim CarSharing nicht möglich.

Da das Auto eine Komfortzone und ein Kommunikationsraum ist, dürften viele Fahrer diese mangelnde Individualisierung schmerzlich vermissen. Auch das Reinigen des Autos nach jeder Fahrt dürften viele Fahrer als höchst unbequem empfinden. Wer mit den Kindern zu Tante Erna fährt, den Jüngsten auf einem Kindersitz platzieren muss und die Kleinen während der Fahrt mit Keksen füttert sowie mit einem CD-Programm bespaßt, empfindet CarSharing als extrem unbequem:

  • Der Kindersitz, die CD, die Kekse und vielleicht noch eine Decke müssen mit dem öffentlichen Nahverkehr mitgenommen werden.
  • Das Auto muss nachher von Kekskrümeln gereinigt werden. Vielleicht ist auch noch Schlimmeres passiert (ein Kind hat sich im Auto übergeben oder eingemacht).
  • Papa fährt, Mama wollte sich um die Adresse von Tante Erna kümmern – was sie freilich vergessen hat, weil sie an die CD, die Kekse, die Decke und den Kindersitz denken musste. Normalerweise wäre ja die Adresse im Navi eines Privat- oder Leasingsfahrzeugs eingespeichert, doch das CarSharing-Navi kennt sie nicht. Also wird erst einmal gegoogelt oder telefoniert, um sie herauszufinden.
  • In der Straßenbahn zum und vom CarSharing-Parkplatz nörgeln und streiten die Kinder. Mama und Papa können schlecht eingreifen, weil sie die Hände mit all den Sachen voll haben. Das Geschenk für Tante Erna muss auch noch jemand tragen.

CarSharing – nein danke?

Nein, so wollen wir das nicht betrachten. Es gibt auch etliche Pro-Argumente. Wer eher selten und wenige Kilometer Auto fährt, profitiert auf der Kostenseite (siehe oben). Auch die gute Umweltbilanz von CarSharing wurde durch einige Studien vermutet. Es müssen weniger Autos gebaut und später verschrottet bzw. recycelt werden: Ein CarSharing-Fahrzeug kann zwischen fünf und sieben Privatautos ersetzen. Auch emittiert es offenkundig weniger Schadstoffe (in einer Studie 16 % weniger CO₂), weil die Flotten moderner sind.

Das trifft allerdings auch auf Leasing- und Mietfahrzeuge zu. Der Flächenverbrauch im Straßenverkehr sinkt, weil weniger Autos parken müssen und CarSharing-Kunden generell etwas weniger Auto fahren. Sie nutzen oft Bahnen, Busse und das Rad. Diese Ergebnisse sind allerdings nur die Bilanz einiger Studien, andere – so vom Öko-Institut Freiburg und vom ISOE (Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung) – konnten keine bessere Umweltbilanz durch CarSharing feststellen. Dafür wurden auch Gründe genannt bzw. vermutet. So soll Carsharing oft nur eine Übergangslösung sein, die jüngere Nutzer bis zur Anschaffung des ersten eigenen Autos präferieren.

Datenerhebung beim CarSharing

Die CarSharingflotten werden in der Regel per GPS überwacht, wie das auch bei den Lkw-Flotten von Speditionen üblich ist. Das dient der Sicherheit der Fahrzeuge und im Grunde auch der Fahrer, die im Not- und Pannenfall schnell zu finden sind. Allerdings wirft das datenrechtliche Fragen auf: Immerhin lassen sich dadurch auch Bewegungsprofile von Fahrern erstellen bzw. werden automatisch erstellt. Laut DSGVO sind die Anbieter verpflichtet, darauf hinzuweisen. Sie haben als Fahrer nach der Fahrt das Recht auf Löschung Ihrer Daten.

Der Anbieter muss Ihnen mitteilen, wie lange er die Daten zu speichern gedenkt. Natürlich stört das die meisten Menschen, die zu Tante Erna unterwegs sind, eher wenig. Doch denken Sie daran, wenn Sie eine Fahrt unternehmen, von der aus welchen Gründen auch immer niemand etwas erfahren soll. Die Profilerstellung der Fahrten hat natürlich auch den Vorteil, dass sich gewerbliche Fahrten auf diese Weise hervorragend abrechnen lassen.

Wo kommt CarSharing bevorzugt zum Einsatz?

Aufgrund der oben beschriebenen Umstände funktioniert es am besten in urbanen Ballungsgebieten. In einer ländlichen Gegend müssen die Nutzer erst einmal mit dem Bus in die Stadt zum Parkplatz des CarSharing-Anbieters fahren. Das geschieht höchst selten, weshalb Verkehrsexperten vermuten, dass sich CarSharing auf dem Land auch langfristig nicht etablieren wird. Neben dem Wohnort der Nutzer spielen in der Tat, wie es die Öko-Institut- und ISOE-Studie vermuten, das Alter und die Lebenswelt der Nutzer eine starke Rolle. Junge, stressresistente, urbane, umweltbewusste, technikaffine und flexible Menschen ohne Kinder und Gepäck sind die bevorzugte Kundschaft beim CarSharing. Die besagte Studie leitet nun ab, dass diese Menschen eigentlich nur die Zeit bis zum eigenen Pkw überbrücken wollen, doch das muss nicht sein. Vielleicht bleiben sie auf lange Zeit so flexibel und wollen auch nie ein eigenes Auto besitzen. Nur die Fahrt zu Tante Erna mit den Kindern und den Krümeln auf dem Rücksitz funktioniert beim besten Willen nicht per CarSharing. In dieser Lebensphase könnte sich aber ein Leasingfahrzeug anbieten. Privatleasing ist heute schon sagenhaft kostengünstig.

Fazit zum CarSharing

Das Modell hat Vorzüge und Nachteile. Es genießt allerdings in der Bevölkerung vor allem wegen der vermeintlichen Umweltvorteile große Sympathien. Darüber hinaus ist es für bestimmte Zielgruppen durchaus attraktiv, wie wir aufzeigen konnten. Dementsprechend wächst in Deutschland die Zahl der CarSharing-Nutzer jährlich um 15 – 25 %, Anfang 2020 dürften rund zwei Millionen Deutsche über einen entsprechenden CarSharing-Vertrag verfügen. Dieser Trend könnte sich mit der urbanen und technischen Entwicklung noch eine Weile fortsetzen. Es bleibt dennoch zu beachten: Auch wenn die Zahl von rund zwei Millionen CarSharern beeindruckend klingt, handelt es sich doch nur um 5 % aller deutschen Autofahrer (rund 40 Millionen). Der Trend zum Leasing ist ebenfalls eindeutig, während Mietwagen eher als Auslaufmodell gelten. Auch die Neuverkäufe nehmen längst nicht mehr so rasant zu wie noch vor Jahren.

Werbung

Ähnliche Beiträge


Keine Kommentare vorhanden



Sie können uns hier gerne einen Kommentar hinterlassen.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*